Longevity beginnt im Ohr
Gesund alt werden – mit guter Hörgesundheit
Longevity ist längst ein gesellschaftlicher Trend. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, wie sie gesund, selbstbestimmt und mit einer hohen Lebensqualität älter werden können. Mit seiner Kampagne zum Welttag des Hörens 2026 setzt sich der Bundesverband der Hörsysteme-Industrie e.V. (BVHI) dabei nicht für ewige Jugend oder Anti-Aging ein, sondern für die Bewahrung der Handlungs- und Entscheidungsfreiheit sowie Alltagskompetenz über die gesamte Lebensspanne hinweg. Denn: Gesundes Altern ist auch mit gutem Hören verknüpft.
Was bedeutet Longevity?
Longevity sollte nicht bedeuten, das Altern aufhalten zu wollen, sondern das Leben mit fortschreitendem Alter gesund, selbstbestimmt und mit hoher Lebensqualität zu genießen. Im Mittelpunkt stehen Erhalt und Pflege der körperlichen, mentalen und sozialen Gesundheit sowie der Freude, aktiv am Leben teilzuhaben.
Entscheidend hierfür ist frühzeitige Prävention. Dazu gehören ausgewogene Ernährung, Bewegung, guter Schlaf, ein gesundes Stresslevel sowie regelmäßige Gesundheits-Check-ups. Longevity verbindet Prävention, Alters-Forschung, Neurowissenschaften und Gesundheitskommunikation. Dabei sollte sie auch Faktoren wie das Gehör einschließen. Denn wer gut hört, bleibt im Austausch mit anderen Menschen, ist eher sozial eingebunden und mental aktiver als Menschen mit unbehandelter Schwerhörigkeit. Wer eine therapiefähige Hörminderung nicht versorgen lässt, büßt häufig bereits Lebensqualität ein, lange bevor andere Einschränkungen sichtbar werden.
Warum Hörgesundheit für Longevity so wichtig ist
Hören ist keine isolierte Funktion der Ohren, sondern ein komplexer neuronaler Prozess, bei dem das Gehirn eintreffende Schallsignale aus dem Innenohr interpretiert und in verständliche Klänge, Sprache oder Musik übersetzt.
Der reibungslose Ablauf dieses Prozesses ist nicht nur entscheidend für das Hörverstehen, sondern hat auch Einfluss auf:- die kognitive Leistungsfähigkeit
- Orientierung und Sicherheit
- die soziale Interaktion und Teilhabe
Hören als Gesundheitsfaktor
Unbehandelter Hörverlust kann sich auf die körperliche und mentale Gesundheit auswirken (EuroTrak Deutschland Hörstudie). Stress, eine reduzierte Merk- und Konzentrationsfähigkeit sowie eine schlechte Schlafqualität sind nur einige der möglichen körperlichen Symptome. Gutes Hören unterstützt hingegen die aktive Kommunikation, stabile soziale Beziehungen und die sichere Orientierung im Alltag (World Health Organisation (WHO): World Report on Hearing 2021). Wer gut hört, kann Gesprächen müheloser folgen, Missverständnisse vermeiden und bleibt eher sozial eingebunden. Zahlreiche Untersuchungen widmen sich in jüngerer Zeit dem Zusammenhang zwischen unversorgter Schwerhörigkeit und dem Abbau kognitiver Leistungen, insbesondere Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung sowie Lern- und Problemlösefähigkeit.
Frühe Hörvorsorge zählt
Viele Menschen beschäftigen sich erst mit ihrer Hörgesundheit, wenn Einschränkungen bereits spürbar sind. Dabei kann insbesondere altersbedingter Hörverlust (Presbyakusis) eine Rolle spielen. Er verläuft häufig schleichend, weshalb Betroffene Veränderungen erst nach einer gewissen Zeit bemerken. Oft nimmt die Leistungsfähigkeit auf beiden Ohren ab dem 50. Lebensjahr deutlich ab. Ein Grund dafür sind Abnutzungserscheinungen an den Haarzellen im Innenohr und Schädigungen durch Lärmbelastungen. Auch der Hörnerv und das Hörzentrum können durch den Alterungsprozess beeinträchtigt werden.
Regelmäßige Hörtests sind eine einfache und wirkungsvolle Präventionsmaßnahme – auch schon in jungem Alter. Eine frühzeitige Hörvorsorge kann dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren und vorhandene Fähigkeiten länger zu erhalten. Laut EuroTrak Deutschland Hörstudie berichten 97 Prozent der Hörgeräte-Träger über eine verbesserte Lebensqualität. 75 Prozent geben an, sich in städtischen Umgebungen sicherer zu fühlen. Auch die abendliche mentale Erschöpfung sinkt deutlich, wenn eine Schwerhörigkeit mit Hörsystemen ausgeglichen wird.
Longevity beginnt im Ohr
- Gutes Hören unterstützt geistige Leistungsfähigkeit, soziale Teilhabe und selbstbestimmtes Altern.
- Hören ist Gehirnleistung: Eingeschränktes Hörvermögen erhöht die Höranstrengung.
- Unversorgter Hörverlust kann soziale Isolation, mentale Erschöpfung und gesundheitliche Risiken begünstigen.
- Regelmäßige Hörtests und eine frühzeitige Versorgung sind einfache, wirksame Präventionsmaßnahmen.
- Eine gute Hörversorgung steigert Lebensqualität, Sicherheit und aktive Teilhabe am Alltag.
Hörakustiker: Begleiter für gesundes Altern
Hörakustiker spielen eine wichtige Rolle im Longevity-Kontext. Als wohnortnahe Ansprechpartner für Hörgesundheit und Prävention begleiten sie Menschen oft über viele Lebensjahre hinweg und unterstützen sie dabei, ihre Hörgesundheit aktiv zu erhalten. Durch die Vermittlung von audiologischem Fachwissen, regelmäßige Hörtests, frühzeitige Sensibilisierung sowie individuelle, alltagsnahe Beratung lassen sich Hörminderungen frühzeitig erkennen und adäquat versorgen. Insbesondere bei der Auswahl und Anpassung moderner Hörsysteme, beim Hörtraining, in der Nachsorge und im Feintuning leisten sie einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Hörsysteme ihr gesamtes Potenzial entfalten können und Hörsysteme-Träger sich gut aufgehoben fühlen.
„Eine nicht ausreichend versorgte Schwerhörigkeit kann immense Auswirkungen auf die Gesundheit eines Menschen haben. Einerseits kann es zu einer fünf bis sechs Mal höheren Sturzwahrscheinlichkeit kommen, gerade bei einseitiger Ertaubung fehlt die räumliche Orientierung. Es kann zu mentalen und kognitiven Einschränkungen kommen. Vor allem im Alter, wenn eine hochgradige Schwerhörigkeit nicht oder nicht ausreichend versorgt wird, hat man ein bis zu fünf Mal höheres Risiko eine Demenz zu entwickeln. Abgesehen davon gibt es auch bei jüngeren Menschen erhebliche Auswirkungen im sozialen Bereich. Die Patienten neigen zu Depressionen, zu gesellschaftlicher Isolation, zur Arbeitsunfähigkeit, wenn die Hörminderung nicht ausreichend versorgt wird.“
Dr. Veronika Wolter, Chefärztin der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Helios Hörklinik Oberbayern in München