Hörversorgung ab 50

Ab 50 Jahren lässt unser Gehör oft deutlich nach –  in vielen Fällen schleichend, manchmal sogar jahrelang unbemerkt – und unbehandelt. Laut einer aktuellen Befragung des Online-Marktforschungsinstituts Civey liegt bei 21 Prozent der ü-50-jährigen der letzte Hörtest mehr als fünf Jahre zurück; ein Viertel der Befragten hat noch nie einen gemacht.

Deshalb ist die Versorgung altersbedingter Hörminderung ab 50 einer unserer Themenschwerpunkte zum Welttag des Hörens 2022.

Argumente Hoertest ab 50

Anzeichen einer Hörminderung bei sich und anderen

Schwerhörigkeit ist ein schleichender Prozess und fällt oft der Umgebung eher auf als den Betroffenen selbst. Die Bewertung folgender Situationen bieten einen ersten Eindruck der eigenen Hörfähigkeit:

Ich habe oft Schwierigkeiten Kinder und Frauen zu verstehen oder Naturgeräusche zu hören
Ich muss oft darum bitten, eine Aussage zu wiederholen
Ich habe oft Schwierigkeiten Kinder und Frauen zu verstehen oder Naturgeräusche zu hören

Hohe Frequenzen gehen bei einer Hörminderung oft als erstes verloren. Sind hohe Kinder- oder Frauenstimmen schwer verständlich, ist eine Hörminderung möglich. Selbiges gilt für hochfrequente Naturgeräusche wie Vögel oder Grillen.

Ich muss oft darum bitten, eine Aussage zu wiederholen

Besonders Flüstergeräusche oder laute Umgebungen, wie in Bussen oder Restaurants, sind für Schwerhörige eine Herausforderung.

Umgebungsgeräusche erscheinen of unangenehm laut
Andere sagen mir, dass ich meinen Fernseher zu laut einstellen würde
Umgebungsgeräusche erscheinen of unangenehm laut

Stille dank Hörminderung? Mitnichten! Sind hohe Töne schwer verständlich, Straßen- oder Baulärm hingegen umso lauter, kann dies auf eine Hörminderung hindeuten.

Andere sagen mir, dass ich meinen Fernseher zu laut einstellen würde

TV oder Radio einfach lauter drehen, ist eine verbreitete Form von Kompensation bzw. Verdrängung einer beginnenden Hörminderung.

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Der Weg zum Hörsystem

1. Der Hörtest beim Hörakustiker ist der erste Schritt. In Schallisolierten Kabinen wird die persönliche Hörschwelle für unterschiedliche Tonhöhen (Frequenzen) und das Sprachverstehen in verschiedenen Lautstärken bestimmt.

2. Hörsystemverordnung: Hat der Hörakustiker eine Hörminderung festgestellt, folgt die ärztliche Diagnose durch einen HNO-Arzt. Anschließend übernimmt der Hörakustiker die Versorgung mit einem Hörsystem.

3. Hörberatung und Anpassung: Der Hörakustiker berät auf Basis persönlicher Vorlieben und privater sowie beruflicher Lebenssituationen, welches Hörsystem das geeignete ist. Neben Design-Aspekten sind technische Funktionen – von Störlärmunterdrückung bis hin zur Konnektivität via Bluetooth – für die Auswahl entscheidend.

4. Feinjustierung: Anschließend wird jeder einzelne Kanal des Hörsystems auf die individuelle Hörkurve abgestimmt. Hörakustiker suchen gemeinsam mit ihren Kundinnen und Kunden nach der richtigen Balance zwischen optimalen Sprachverstehen und angenehmen Klang.

5. Laufende Kontrollen: Nach Abschluss der Erstausstattung unterstützen Hörakustiker bei allen Fragen rund um Handhabung und Pflege. Vom Batteriewechsel bis zu Reparaturen, stehen Hörakustiker über die gesamte Lebensdauer des Hörsystems zur Verfügung.

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Wer trägt die Kosten für die Hörsystem-Versorgung?

Gesetzlich Krankenkassen erstatten bei Anspruch auf eine Hörsystem-Versorgung, bis zu 685 Euro pro Hörgerät. In bestimmten Fällen kann sich die Kostenübernahme auf 840 Euro erhöhen. Damit erhalten Versicherte eine optimale Hörsysteme-Versorgung auf dem aktuellen Stand der Technik. Darüber hinaus wir die Anpassung, das Testen der Geräte sowie die laufende Wartung und Reparaturarbeiten von der Krankenkasse übernommen.

Hörakustiker und HNO-Ärzte fordern Hörscreening ab 50 als Krankenkassenleistung

Da Hörvorsorge nachweislich nur unzureichend betrieben wird, bedarf es eines Impulses oder Anreizes, um noch mehr Menschen für die Pflege und regelmäßige Kontrolle ihres Hörsinns zu motivieren. Daher fordern der Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI) und der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO), einen Mini-Hörcheck ab dem 50. Lebensjahr in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Hierfür hat das Wissenschaftliche Institut für angewandte HNO-Heilkunde (WIAHNO) einen kurzen Fragebogen entwickelt und wissenschaftlich prüfen lassen. Der Fragebogen lässt sich z.B. anlässlich eines Besuchs beim Haus- oder Facharzt in wenigen Minuten beantworten: In einer allgemein- oder fachärztlichen Praxis der Grundversorgung administriert die Assistenz in wenigen Minuten den Fragebogentest für einen ü-50 Patienten. Ist die Beantwortung auffällig, erhält der Patient eine Überweisung zu einem HNO-Facharzt für eine gründliche audiometrische Untersuchung.

Argumente für ein gesetzliches Hörscreening ab 50:

WHO World Report on Hearing
Hörversorgung schützt vor Depressionen
Gut zu hören spart Geld!
Gutes Hören kann Demenz vorbeugen
WHO World Report on Hearing

Zum Welttag des Hörens am 3. März 2021 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Ergebnisse und Empfehlungen ihrer ersten globalen Untersuchung zu Hörminderungen und zur Hörsystemversorgung. Demnach leben 1,5 Milliarden Menschen weltweit mit einem beeinträchtigenden Hörverlust. Von über zehn Millionen Menschen in Deutschland, die nach eigenen Angaben eine Schwerhörigkeit haben, sind fast sechs Millionen signifikant beeinträchtigt. Allerdings unternimmt nur ein Drittel etwas dagegen. Dabei ist eine Hörgeräteversorgung für gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland bei entsprechender Indikation bereits aufzahlungsfrei erhältlich.

Hörversorgung schützt vor Depressionen

Den Zusammenhang zwischen Depression und Schwerhörigkeit belegt unter anderem eine Studie des US-Gesundheitsministeriums: 11,4 Prozent der Erwachsenen mit schwerem Hörverlust fühlen sich depressiv, während dieser Anteil bei Menschen mit gesundem Gehör nur halb so hoch ist. Ein Zusammenhang, den sich laut EuroTrak-Studie 2018 nur ein Drittel der Menschen in Deutschland vorstellen kann.

Gut zu hören spart Geld!

Die britische Studie „Hearing Loss – Numbers and Costs“ aus dem Jahr 2019 beziffert die volkswirtschaftlichen Folgekosten unversorgter Hörminderung in Europa auf jährlich über 185 Mrd. Euro. In Deutschland tragen von 5,8 Millionen Menschen (über 15 Jahre) mit einer beeinträchtigenden Hörminderung lediglich zwei Millionen Hörsysteme. Die jährlichen Kosten aufgrund von Produktivitätsverlusten, häufigerer Arbeitslosigkeit und gesunkener Lebensqualität unversorgter Schwerhöriger belaufen sich auf 39 Milliarden Euro jährlich. Pro Person mit unversorgtem Hörverlust sind das 10.300 Euro im Jahr, die mit einer Hörsystemversorgung einzusparen wären.

Gutes Hören kann Demenz vorbeugen

Eine Schwerhörigkeitim mittleren Lebensalter gilt laut einer aktuellen Studie der Lancet Kommission für Demenzprävention als der größte beeinflussbare Risikofaktor für eine spätere Demenzerkrankung. Insbesondere ab einem Alter von 50 Jahren nimmt die Hörleistung kontinuierlich ab. Um Folgeerkrankungen vorzubeugen, sollte eine Schwerhörigkeit so früh wie möglich erkannt und versorgt werden.

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